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17. Januar 2026

Tabukrankheiten behandeln

Bad Driburg. Wer unter Stuhlinkontinenz leidet, ist mit dem unwillkürlichen Abgang von flüssigem oder festem Stuhl konfrontiert. “Diese Erkrankung ist extrem stigmatisierend und führt zu sozialem Rückzug, denn die Betroffenen schämen sich”, betont Dr. Florian Dietl, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Klinikum Weser-Egge, Standort Bad Driburg.

Er und Oberarzt Harry Feist behandeln Patienten, die unter Stuhlinkontinenz leiden mit der so genannten Sakralen Nervenstimulation (SNS). “Diese Therapie ist ein wichtiges Verfahren, von dem betroffene Patienten oft sehr profitieren. Zudem lässt sich der Eingriff schonend durchführen”, so Dietl.

Bei der SNS handelt es sich um einen Schrittmacher, der Impulse an die Sakralnerven ausschüttet, die die Funktionsfähigkeit des Darms steuern. Im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs wird der Schrittmacher unter der Haut platziert, und zwar nahe des Darms. Der Schrittmacher soll durch das Ausschütten schmerzfreier Nervenreize einen unkontrollierten Abgang von Stuhl verhindern. Die Behandlung ist patientenindividuell, denn die Betroffenen können die Impulse über ein Handgerät steuern oder abschalten.

Eine weitere Darmerkrankung ist der Darmprolaps, der durch einen nach außen gestülpten Enddarm gekennzeichnet ist. Der Enddarm hängt aus dem After heraus. Eine Behandlung kann minimalinvasiv durch das Verkürzen des Darms mit anschließender Raffung und Fixierung am Beckenboden geschehen.

Die Mediziner sind sich einig, dass die mangelhafte Kenntnis von proktologischen Behandlungen zu einer erhöhten Hemmschwelle führt. “Die Betroffenen trauen sich oft nicht, sich einem Facharzt anzuvertrauen”, sagt Dietl. Er und Oberarzt Feist wollen dazu beitragen, die oft tabuisierte Erkrankung aus der Schmuddelecke herauszuholen.

Termine in einer speziellen Sprechstunde am Standort Bad Driburg gibt es unter Tel. 05253-9852001 bei Tatjana Schmidt im Sekretariat der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Patienten benötigen eine Überweisung des Haus- oder Facharztes.

Foto: khwe

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