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Nitratbelastung in der Lahn immer noch wesentlich zu hoch PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 08 März 2017 | Autor: hg
Messfahrt des VSR-Gewässerschutz belegt:

Nitratbelastung in der Lahn immer noch wesentlich zu hoch

Harald Gülzow beim Arbeiten im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz.
Harald Gülzow beim Arbeiten im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz.
Die Nitratkonzentration in der Lahn wurde im Rahmen einer Messfahrt im Dezember 2016 vom Oberlauf bis zur ihrer Mündung in den Rhein bei Lahnstein untersucht. Der VSR-Gewässerschutz bemängelt, dass der Gewässerschutz zu lange auf Maßnahmen der Abwassertechnik fokussiert war und dadurch der von der Wasserrahmenrichtlinie geforderte gute Zustand mit maximal 11 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat bisher nicht erreicht werden konnte. Besonders die Belastungssituation im hessischen Bereich bereitet den Gewässerschützern Sorge.

Am Oberlauf bei Bad Laaspe in Nordrhein-Westfalen weist die Lahn noch eine geringe Nitratbelastung von 5,7 mg/l auf. Doch dieser Wert verdoppelt sich im weiteren Verlauf bis Biedenkopf in Hessen bereits auf 11,6 mg/l Nitrat. Bis Buchenau bleibt die Belastung nun unverändert, bevor sie erneut beginnt stetig anzusteigen. Die Lahn im Bereich bis Buchenau besitzt den nach der Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten Zustand bzgl. der Nitratbelastung. Im weiteren Verlauf bis zur Mündung in den Rhein ist dies nicht der Fall.

Image In Cölbe fanden die Gewässerschützer schon 17,2 mg/l. Nachdem das Wasser der Lahn sich mit dem der Ohm mit einer Nitratkonzentration von 18,8 mg/l vermischt, steigt die Belastung auf 18,4 mg/l im Raum Marburg an. Im Städtekomplex Marburg - Gießen findet dann kein weiterer Anstieg statt. Dies ändert sich auf der weiteren Fließstrecke. In Wetzlar fanden die Umweltschützer mit 19,7 mg/l die höchste Nitratkonzentration im Lahnwasser. Ab nun sinkt die Belastung über 18,9 mg/l in Limburg auf 18,7 mg/l im rheinland-pfälzischen Diez nur leicht. Bis zu diesem Abschnitt weist die Lahn größtenteils landwirtschaftliche Nutzflächen - bedingt durch die Talniederungen und Beckenlandschaften - in unmittelbarer Nähe des Flusslaufes auf.

Häufig reichen die landwirtschaftlichen Flächen bis zur Uferböschung. So können bei Regenfällen die durch die Düngung im Boden vorhandenen Stickstoffüberschüsse in die Lahn und deren Nebenbäche geschwemmt werden. Erst dann kommt es auf der weiteren Fließstrecke der Lahn zu einer stärkeren Verringerung der Nitratkonzentrationen bis auf 17,0 mg/l in Bad Ems. Im weiteren Verlauf bis zur Mündung in den Rhein erhöhen sich diese nicht mehr. Am Unterlauf ab Diez befindet sich noch viel Wald und kaum landwirtschaftliche Flächen in Ufernähe. Aufgrund dessen kommt es in diesem Abschnitt zu einer erheblichen Verringerung der Nitratwerte.

Wegen der Vielzahl an Nitrateinträgen wäre es wichtig, dass die Lahn im gesamten Lauf einen wesentlich besseren Nitratabbau aufweist. Dies findet in freifließenden Flüssen mit intakten Auen am besten statt. Allerdings ist in der Lahn durch die 24 Stauhaltungen unterhalb Marburg die Fließtiefe und -geschwindigkeit des Flusses extrem verändert. So fehlen weitgehend Flussauen mit Pflanzen, die einen tiefen Wurzelraum ausbilden und viele Nährstoffe aufnehmen können. Der VSR-Gewässerschutz begrüßt die bereits durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen an verschiedenen Abschnitten an der Lahn. Allerdings besteht das Problem, dass bei Stauhaltungen eine Renaturierung nicht den Erfolg wie bei frei fließenden Gewässern bringt, da ausreichende Wasserstandschwankungen fehlen. Diese sind aber wichtig, damit Flussauen durch Überschwemmungen mit Wasser versorgt und andererseits während niedriger Wasserstände auch wieder durchlüftet werden.

"Es ist dringend nötig alle Faktoren, die an der Lahn zu einem stärkeren Nitrateintrag und einem geringerem Abbau beitragen zu betrachten. Die verengte Betrachtungsweise auf die Kläranlagen wie sie bisher erfolgt ist hat - wie die Messwerte belegen - noch zu keinem ausreichenden Erfolg im Gewässerschutz beigetragen." so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

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